Rezension – Jamie Oliver: Jamies 5-Zutaten-Küche: Quick & Easy

Jamie Oliver bedarf vermutlich keiner Vorstellung mehr und zählt zu den berühmtesten Fernsehköchen der Welt. Als „Naked Chef“ auf Channel 4 gestartet, hat er das Kochen im TV revolutioniert und ist heute eine riesige Marke. Neben jährlichen Bucherscheinungen, Restaurants wie „Jamie’s Italian“ und einem eigenen Magazin, lächelt Jamie den Kunden inzwischen von vielen Lebensmittelverpackungen im Supermarkt an.

Mit „Jamies 5-Zutaten-Küche: Quick & Easy“ findet sich nun schon sein 20. Buch im Handel. Jamie Oliver steht für einfache und schnelle Zubereitung seiner Gerichte und dies versucht er in diesem Buch, mit dem Einsatz von nur fünf Zutaten auf die Spitze zu treiben. Das Konzept, scheint zu ziehen und so soll sein neuestes Buch auch sein bisher am schnellsten Verkauftes sein.

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Das Buch wartet mit unglaublichen 120 Rezepten auf und nach einem knappen Vorwort geht es direkt mit den Rezepten los. Dieses Buch trägt wenig Persönlichkeit in sich, wie es bei vielen Kochbüchern derzeit angesagt ist. Stattdessen gibt es eine kurze Vorstellung des Konzeptes und was zum Kochen noch benötigt wird. Auch wenn die Rezepte nur fünf Zutaten benötigen, zählen Basiszutaten wie Öle, Essig oder Salz nicht dazu und sollten vorrätig sein.

Links als „visuelle Brücke“ die Fotos von den fünf Zutaten, mittig das Rezept und rechts das fertige Essen: Der immer gleiche Aufbau und die übersichtlichen Rezeptbeschreibungen ermöglichen einen schnellen Blick ins Buch, lassen es aber auch ein bisschen langweilig wirken. Die Fotos folgen alle einem Stil und sind wieder von David Loftus geschossen worden.

Wie seit einiger Zeit bei Jamie Olivers Kochbüchern üblich, sind seine Rezepte mit Ernährungsberatern so gestaltet, dass sie gesund und nahrhaft sind. 70% der Rezepte, bis auf aus dem Kapitel „Süsses“, sollen nach aktuellen Erkenntnissen gesund sein.

So darf eine Nährwerttabelle natürlich auch bei jedem Rezept nicht fehlen und die meisten Rezepte sind auf 2 Portionen ausgelegt. So kann der Leser die Rezepte einfach hochrechnen.

Die 120 Rezepte erstrecken sich über die Kapitel Salate, Pasta, Eier, Hähnchen, Fisch, Gemüse, Rind, Schwein, Lamm, Reis & Nudeln sowie Süsses. Am Ende findet sich ein übersichtliches, nach Zutaten sortiertes Register und viele Rezepte sind mit einem grünen V für vegetarisch versehen.jamies-5-zutaten-kueche-quick-easy-jamie-oliver-9

Jamie Oliver fand ich schon immer sympathisch und über seine Kochsendung bin ich damals als Jugendlicher ans Kochen herangeführt worden. Die Kochleidenschaft ist geblieben, aber ich kaufe auch nicht mehr jedes Kochbuch von ihm. So setze ich Kochbücher zu Trendthemen wie Superfoods auch gerne mal aus und koche gerne aufwendiger, als es bei seinen Gerichten häufig der Fall ist.
Jamies neuestes Buch spricht mit nur fünf Zutaten Leser an, die zwar gerne selbst kochen, aber auch wenig Zeit haben. Der Einkauf ist meist schnell erledigt und das Essen lässt sich gut für den nächsten Arbeitstag vorbereiten. Zumindest war dies mein Beweggrund, beim neuen Buch wieder zuzugreifen.

Beim Durchblättern haben viele Seiten eine Markierung bekommen, aber einige auch eher ein Fragezeichen oder Schulterzucken bei mir hinterlassen. 120 Rezepte heißt eben auch, dass es viele Rezepte gibt, die eher unnötig sind.
Ein Rezept für einen Räucherlachsteller ohne wirklichen Twist oder ein ganzes Kapitel zu Eiern mit Omelett- und Spiegeleier-Rezepten sind sicherlich die schwächsten Teile des Buches. Auch das Kapitel „Süsses“ sollte nicht mit einem Backbuch verwechselt werden und zeigt die Grenzen von nur fünf Zutaten schnell auf. Die süßen Rezepte sind nicht besonders spannend und verlangen gerne nach fertigen Zutaten wie Vanilleeis.
Um bei fünf Zutaten zu bleiben, tut sich die Übersetzung schwer und verlangt nach selbsttreibendem Mehl, also eine Mehlmischung mit Backpulver. Das Mehl ,ist in Deutschland fast unmöglich zu bekommen, aber immerhin erklärt das Buch, wie es selbst gemischt werden kann.

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Die Zutaten sind auch die zweite, größere Kritik die ich an dem Buch habe. Viele Rezepte funktionieren mit einfachen Zutaten aus dem Discounter oder einem Abstecher in den Supermarkt. Es gibt aber auch Rezepte mit Zutaten, die in Großbritannien wohl leichter zu bekommen sind als bei uns: So habe ich vorher noch nie von einer Umami-Paste gehört und auf Anhieb wüsste ich jetzt nicht, wo ich Produkte wie vorgegarte Getreidemischung, Schwarzkohl oder Taschenkrebsfleisch einfach kaufen könnte.

Sieht man über solche Schwächen aber hinweg, finden sich unter den 120 Rezepten noch immer sehr viele tolle Alltagsgerichte. Der geübte Koch wird hier und da zu einer sechsten Zutat greifen, verfeinern, abwandeln und sich inspirieren lassen. Bei eigentlich jedem Kochbuch spricht nicht jedes Rezept jeden Leser an und selbst wenn die Hälfte durchfallen sollte, bleibt noch immer eine Menge Gutes über. Wer bisher schon von Jamie Oliver Abstand gehalten hat, wird mit diesem Buch vermutlich auch kein Fan von ihm. Wer Jamie Olivers Küche aber schon immer etwas abgewinnen konnte, wird bei diesem Buch keinen Fehler machen.

Jamies 5-Zutaten-Küche: Quick & Easy
Autor: Jamie Oliver
ISBN: 978-3831034215
Verlag: Dorling Kindersley Deutschland GmbH
Seiten: 320

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